Mehr über Tai Chi

Was ist Tai Chi Chuan ?
Tai Chi Chuan ist eine alte Bewegungskunst aus dem chinesischen Kulturkreis mit philosophischem Hintergrund. Bewegungsabläufe aus dem Bereich der Selbstverteidigung werden mit meditativen Aspekten verbunden. Es stellt ein ein ganzheitliches Übungssystem dar, dass vorrangig der Gesundheitsvorsorge und der Entwicklung des persönlichen Wachstums dient.

Was heißt Tai Chi Chuan?
Tai Chi meint „höchstes Prinzip“ oder „die Lehre von Yin und Yang“, Chuan meint wörtlich „Faust“ oder auch „Weg“ oder „Form“. Gemeint ist, „durch den Weg des körperlichen und geistigen Übens, die Lehre von Yin und Yang zu begreifen und zu kultivieren“ oder auch "mit den Händen das höchste Prinzip darzustellen".

Wie ist das Übungssystem Tai Chi Chuan aufgebaut?
Tai Chi Chuan basiert auf einem einfachen Übungssystem, dass grundsätzlich von jedem Menschen erlernt werden kann. Es ist aufgegliedert in drei Säulen: Einzelübungen (Nei Kung), Formen und Partnerübungen.

Die Gruppe der Einzelübungen sind eine Vielzahl verschiedenster Übungen, in denen gezielt bestimmte Bewegungsabläufe (z.B.: Rotationen, Gewichtsverlagerungen, Koordination) oder bestimmte Muskelgruppen (z.B.: Schulter, Hüfte) oder Gelenke und Gelenkgruppen bewegt werden.

In den Formen (es gibt Formen mit leerer Hand, Partnerformen, Säbelformen, Schwertformen, Stockformen, die schnelle Form) werden ganzheitliche Bewegungsideen umgesetzt, die Anwendungsideen vermittelt und die erlernten Bewegungsprinzipien der Einzelübungen integrieren sich in den Bewegungsablauf.

Zu Beginn ist es sinnvoll zurerst Einzelübungen und die Form mit der leeren Hand zu erlernen. Die lange Form gliedert sich in drei Teile: "Die Erde", "Der Himmel" und "Der Mensch". Wer zumindest im 1. Teil der langen Form sicherer ist, kann bei Interesse mit der Säbel oder Schwertform beginnen und erste Partnerübungen erlernen.

In den Partnerübungen (es gibt im Wesentlichen zwei Arten: Tui Shou und San Shou) werden die Techniken und Ideen in partnerschaftlicher Atmosphäre gemeinsam vertieft. Der Übende erhält ein „Biofeedback“. Der Sinn der Bewegungsabläufe und Prinzipien (z.B. Ellenbogen senken) wird deutlich.

Die drei Säulen ergänzen sich in besonderer Weise gegenseitig. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander. Beim Erlernen der Übungen versucht der Übende alle Abläufe entspannt und aufmerksam zu beobachten. Wir sprechen von "gelassener Aufmerksamkeit". Die Bewegungen werden durch kontinuierliches Wiederholen immer genauer. Sie strukturieren sich immer feiner. Auch gelingt es mit der Zeit immer besser, die Bewegungen weich und fließend auszuführen. Die Beweglichkeit des Körpers nimmt zu. Der Übende ist mitten dabei, wie man sagt, "den Weg zu kultivieren". Wie nebenbei entstehen Wohlbefinden, Gelassenheit, Gesundheitsvorsorge, Selbstverteidigung, Meditation.

Wann entstand Tai Chi Chuan?
Tai Chi Chuan wurde einer Legende nach im 12. Jahrhundert von einem Mönch namens Chan San Feng begründet. Es heißt, dass er einen Kranich und eine Schlange beim Kampf sah und aus diesen Beobachtungen heraus die ersten 13 Bewegungsformen entwickelte. Kranich und Schlange stehen hier symbolisch für angreifende und ausweichende Bewegungsformen, die beide Bestandteil von Tai Chi Chuan geworden sind. Das Tai Chi Chuan wurde dann über die Jahrhunderte von verschiedenen Familien tradiert und weiterentwickelt. Die wichtigsten Familien heißen Chen, Wu, Sun und Yang. Der Yang-Stil ist der weltweit am stärksten verbreitete Stil. Schätzungsweise 90% der weltweit Übenden lernen eine Variante des Yang-Stil.

Alter, klassischer Yang-Stil
Es werden die traditionellen Yang-Stil Formen unterrichtet. Stephan Hagen, der Lehrer von Michael Wille, der Lehrer von Hans Martin Lorentzen, ist bundesweit der einzige Schüler von Sifu Gin-Soon Chu, Boston. Sifu Gin-Soon Chu ist einer von nur drei Meisterschülern von Großmeister Yang Shou- Chung (gest. 1985), dem ältesten Sohn von Yang Chen-Fu. Yang Shou-Chung galt zu Lebzeiten als führender Vertreter der Yang-Familie. Er hinterlie߸ neben seiner Frau und drei Töchtern nur drei Meisterschüler (Sifu Ip Tai-Tak, Sifu Gin-Soon Chu und Kin-Hung Chu). Seit einiger Zeit lernt Stephan Hagen auch bei Sifu Yang Ma-Lee, Hongkong, der zweiten Tochter von Yang Shou-Chung.

Auf welcher Philosophie basiert Tai Chi Chuan?
Tai Chi Chuan basiert auf der chinesischen Philosophie der sich bedingenden Polaritäten des Yin und Yang.  Der Himmel ist voll Yang-Energie, die Erde voll Yin-Energie. Alle Erscheinungsformen zwischen Himmel und Erde entstehen aus dem Spiel und Tanz von Yin und Yang. Sie werden gebildet, sie werden bewegt und sie vergehen wieder... Auch im Menschen vollziehen sich diese Kräfte. Mit Tai Chi Chuan und Qi Gong versucht der Übende Yin und Yang und damit sich selbst in einen dynamisch-harmonischen Fluss zu bringen...